Pierre Bonnard
(Fontenay-aux-Roses, Seine, 1867-1947, Le Cannet)
Bei Tisch, 1899
Öl auf Karton, 54.5 x 70.5 cm
Signiert & datiert oben links: Bonnard 1899
Dauberville 216
Der zweiunddreissigjährige Pierre Bonnard, der 1899 "Le déjeuner" malt, steht mit diesem Bild schon in seiner frühen Meisterschaft. "Le nabi japonard" (Spitzname, den ihm Ranson wegen seiner Japanliebe gegeben hatte) hat seine fanatische Liebe für karierte Stoffe überwunden, und die "Theorien" Maurice Denis’ beherrschen ihn nicht mehr, er kommt zu sich selbst. Und doch ist nichts vergessen und alles verwertet. Noch immer ist das Bild in erster Linie eine "surface plane", wie es Denis gefordert hatte, und noch immer herrscht das Ornament, wenn auch verborgener, sublimierter. Man braucht nur zu Monets "Abendessen" zurückzublättern, um bei fast gleichem Sujet den Wandel des Stils festzustellen: dort der freistehende Tisch mit der Tafelrunde unter der Lampe als Raum- und Lichtproblem, hier der vom unteren Bildrand angeschnittene Esstisch als Halbkreis in die Bildfläche aufgeklappt, die weiter in Horizontale und Vertikale durch eine Boiserie und einen Spiegel in der Mittelachse klar gegliedert ist; diese Bildfläche ist Träger der kostbaren, dunkelglühenden Farben mit dem reich gestuften Blau, das seine grösste Helligkeit im weissen Tischtuch erfährt, und dem komplementären Orange in den Früchten. Dass es im wesentlichen um das seit 1888 (Pont-Aven) herrschende Problem der Farbe in der Bildebene geht, wird noch betont durch die vollständige Unterdrückung der Individualität der Dargestellten, die dem Ganzen ornamental eingebunden werden, was in der Angleichung der Köpfe an das Tapetenmuster bis zur Drolerie geht. Das Bild ist in dem elterlichen Haus "Le Clos" in Grand-Lemps in der Dauphiné entstanden, dargestellt sind die Grossmutter des Künstlers, Madame Mertzdorff, und seine Schwester Madame Andrée Terrasse mit ihren Kindern.