Henri de Toulouse-Lautrec
(Albi, 1864-1901, Ch. de Malromé, Gironde)
Confettis, 1894
Öl auf Leinwand, 55.5 x 43 cm
Signiert & datiert unten links: HTLautrec 94
Dortu P. 517
Die Fähigkeit Toulouse-Lautrecs, mit der Reduktion der Form das schlagend Bezeichnende herauszuarbeiten, musste ihn mit der Lithographie zum Plakat führen, das im Paris der 1890er Jahre nicht zuletzt durch ihn seine grössten Triumphe feierte. Die Vergnügungsstätten des Montmartre, in denen Lautrec, der Aussenseiter der Gesellschaft, seine eigentliche Heimat gefunden hatte, wurden seine ersten Auftraggeber. Das Verhältnis von Bild und Lithographie ist bei Lautrec sehr differenziert, zuweilen entstehen die Lithographien für Plakate erst Jahre nach den Bildern. "Confettis", 1894 datiert, gehört zu den wenigen Ölbildern, die als unmittelbare Vorstudien zu Plakaten entstanden sind. Auf der weiss grundierten Leinwand steht die strömend bewegte Zeichnung, die ebenso viel vom Dixhuitieme wie vom Art nouveau hat, in giftigem Grün, zu dem der knallrote Mund und die gelbroten Haare einen aufreizenden Gegensatz bilden, während die Wirkung des Plakats der Londoner Firma J. & E. Bella für Confettis aus demselben Jahr durch die Zeichnung in Schwarz mit Rot und Gelbrot auf blaugrauem, gespritztem Grund gemildert wird. "Confettis" ist weniger auf der monumentalen Silhouettierung aufgebaut wie die übrigen Meisterplakate Lautrecs und hat in seiner beschwingten Liebenswürdigkeit mehr von den Schrittmachern für das moderne Plakat Jules Chéret und Pierre Bonnard, dessen Plakat "France-Champagne" von 1891 wie ein Gegenstück zu "Confettis" wirkt. Gleichzeitig ist das Plakat eine Huldigung für die Schauspielerin Jeanne Granier, deren undefinierbares Lächeln zu erfassen sich Lautrec lange bemüht hatte.