Henri de Toulouse-Lautrec
(Albi, 1864-1901, Ch. de Malromé, Gironde)
François Gauzi, 1886
Öl auf Leinwand, 46 x 38 cm
Dortu P. 276
Die achte und letzte Impressionisten-Ausstellung im Jahre 1886, in der Seurat und Signac auf Vorschlag Pissarros ihren Einzug hielten, definiert den Hintergrund der Pariser Szene, vor dem der junge Toulouse-Lautrec seinen persönlichen Malstil entfaltet. Lautrec beteiligt sich nicht an den kunsttheoretischen Kämpfen, ist aber ein genauer Kenner der neuen Entwicklungen. Als der Dreiundzwanzigjährige 1887 seinen Malerfreund François Gauzi malte, hatte er seine akademischen Lehrmeister bereits hinter sich gelassen, um sich in die vorderste Reihe seiner Generation einzuordnen. Noch bewegt er sich etwas tastend in diesem künstlerischen Neuland, wenn er auf der weissgrundierten Leinwand das feine, zartfarbige, aus kleinen spitzpinsligen Flecken zusammengewirkte Gewebe des Gesichtes aufbaut, dem er durch einen in Grün, Grau und Hellbraun fester gefügten Hintergrund Halt verleiht. Weshalb das Bild mit der lichtgrünen Zeichnung des angedeuteten Hemdes unvollendet blieb, darüber berichtet Gauzi in seinen Erinnerungen an Lautrec ausführlich: Lautrec hatte Gauzi ursprünglich mit einer schottisch-karierten gelb-weissen Weste malen wollen, die dem Maler vor Ende der Sitzungen bei einem Umzug abhanden kam. Mit dem Verlust dieses "Accessoires" hatte Lautrec das Interesse an dem Bilde verloren, und es blieb unvollendet. François Gauzi, zwei Jahre älter als Lautrec, war 1885 aus Toulouse in das Atelier Cormon nach Paris gekommen. Die beiden aus Frankreichs Südwesten stammenden Künstler schlossen eine Freundschaft, die bis zum Tode Lautrecs dauerte. Lautrec hat Gauzi 1888 noch in einem ganzfigurigen Bild gemalt, das der Dargestellte mit anderen Bildern Lautrecs – darunter "Ein Tag der ersten Kommunion", auf dem Gauzi, einen Kinderwagen schiebend, dargestellt ist dem Musée des Augustins in Toulouse vermachte.