Paul Signac
(Paris, 1863-1935, Paris)
Die Modistinnen, 1885/86
Öl auf Leinwand, 116 x 89 cm
Unten rechts signiert & datiert: P. Signac 85
Cachin 111
Die Hutmacherinnen von Paul Signac haben eine besondere Stellung in der Geschichte des französischen Impressionismus. Signac präsentierte das Bild erstmals an der achten und letzten Ausstellung, zu der sich die Impressionisten im Frühjahr 1886 noch einmal zusammen fanden. Das Bild hing dort in einem gesonderten Raum, der programmatisch als Saal der "Neo-Impressionisten" angeschrieben war. Damit brachte eine Gruppe jüngerer Künstler zum Ausdruck, dass der Impressionismus der ersten Stunde überholt und zu einer alten Sache geworden war. Tatsächlich erregte die Technik, in der die neoimpressionistischen Bilder gemalt waren, sofort grösstes Aufsehen. Das geduldige Nebeneinandersetzen kleiner Farbtupfen trug ihr den Namen des Pointillismus ein, nach dem französischen Wort für Punkt. Der Maler Georges Seurat, der die Technik entwickelte, bezeichnete sie auch als Divisionismus und unterstrich damit den naturwissenschaftlich-objektiven Anspruch, den er damit verfolgte. Im Unterschied zu den Impressionisten, die das Zufällige der flüchtigen Erscheinung festhielten, malten die Neoimpressionisten wieder sorgfältig konstruierte Kompositionen. In Signacs Hutmacherinnen bietet die unterschiedliche Helligkeit der Tapetenwand dafür ein gutes Beispiel. Sie ist in der Untermalung durch Kontrastfarben vorbereitet und hebt die dunkel gekleidete Figur im Hintergrund effektvoll hervor. Die Produktion dieser optisch korrekt gemalten Bilder war ganz offensichtlich aufwändig .Vor allem in den ersten Jahren des Neoimpressionismus sind nur wenig Bilder entstanden, und es darf als grosser Glücksfall gelten, dass es Emil Bührle gelang, eines davon für seine Sammlung zu sichern. Kein Museum der Schweiz besitzt eine neoimpressionistische Komposition von vergleichbarer Bedeutung.