Georges Seurat
(Paris, 1859-1891, Paris)
Studie zu "Die Zirkus-Parade", 1887
Öl auf Holz, 16.5 x 26 cm
Atelier-Stempel unten rechts
Dorra/Rewald 180; Hauke 186
Noch hat Seurat seine dritte Komposition mit einem weiblichen Modell im Atelier in drei verschiedenen Posen ("Les poseuses") nicht vollendet, als er sich Ende 1887 an ein neues, diesmal halb so grosses Bild begibt, mit dem er sich wieder mit ganz neuen Problemen auseinandersetzt: "La parade de cirque". Zirkusdirektor und Clown werben vor ihrer Schaubude mit einem Posaunenbläser und vier weiteren Musikanten bei dem Publikum. Zu diesem Bild, das ihn etwa sechs Monate beschäftigt, existiert nur ein "Croqueton", und das ist die Ölskizze auf Holz der Sammlung Bührle. Gasbeleuchtung im nächtlichen Freiraum ist das neue Lichtproblem, während statische Ruhe, die sich auf dem Parellelismus von Vertikalen – mit dem Posaunenbläser als Mittelachse – und Horizontalen aufbaut, die Komposition bestimmt und dem Bild etwas Hieratisch-Reliefhaftes gibt. Die Skizze führt über das Lichtproblem zum Sinngehalt. In verhältnismäßig großen, locker gesetzten Farbflecken gemalt, die überall das ungrundierte rötliche Holz durchscheinen lassen, wird eine Scheinwelt erleuchtet, vor der die Menschen wie silhouettenhafte Schemen stehen.