Georges Seurat
(Paris, 1859-1891, Paris)
Studie zu "Ein Sonntagnachmittag auf der Grande-Jatte", 1884/85
Öl auf Holz, 15.6 x 25.2 cm
Dorra/Rewald 117; Hauke 127
Georges Seurat hat in dem knappen Jahrzehnt seines Schaffens mit sechs grossen Kompositionen, die dem Impressionismus durch den Divisionismus der Farben ein neues Kapitel hinzufügen, die französische und europäische Malerei verändert. Das zweite und bedeutendste Bild dieser Reihe ist "Un dimanche après-midi à l’île de la Grande-Jatte" im Art Institute in Chicago. Paul Signac nannte es das "tableau-manifeste" des Neo-Impressionismus. Seurat verwendete nicht nur fast zwei Jahre Arbeit auf dieses Bild, sondern bereitete es mit mehr Skizzen als für jedes andere Werk vor. Dorra/Rewald führen im Œuvre-Katalog 31 Ölskizzen und 24 Kreidezeichnungen auf. Während die kleinen, etwa 15 x 25 cm messenden Ölskizzen auf Holz, die Seurat "Croquetons" nannte, sich um die Harmonisierung der Landschaft in Sonne und Schatten mit den spazierengehenden, stehenden und hockenden Menschen bemühen, sind die größeren Kreidezeichnungen überwiegend auf Mensch und Tier beschränkt. In einem Brief vom 20. Juni 1890 an Fénéon legt Seurat Wert auf die Feststellung, die Studien und das Bild am Himmelfahrtstage 1884 begonnen zu haben, danach müssten die vor der Natur entstandenen Ölskizzen und das Bild in seinem langsamen Fortschreiten gleichzeitig entstanden sein. Als die "Grande-Jatte" erstmalig Mai/Juni 1886 in der achten und letzten Ausstellung der Impressionisten gezeigt wurde, ging damit der Impressionismus im ursprünglichen Sinne zu Ende, um neuen Entwicklungen Raum zu geben.