Vincent van Gogh
(Groot-Zundert, 1853-1890, Auvers-sur-Oise)
Die Grabenden, 1890
Öl auf Papier auf Leinwand, 49.3 x 64 cm
De la Faille 695
Im Spital von Saint-Rémy, wo sich van Gogh 1889 bis Mai 1890 aufhalten muss, wird der ganze Zwiespalt seiner tragischen Existenz offenbar. Nicht immer darf er im Garten und der Umgebung des Spitals malen. Wenn er krank ist, bleibt ihm nur der Blick aus seiner vergitterten Zelle auf den ansteigenden Acker, den er wiederholt im Wandel der Stimmungen und Jahreszeiten darstellt. Es fehlen ihm auch die Modelle, da ihn die stumpf herumsitzenden Irren abstossen. Er sehnt sich nach gesunden, arbeitenden Bauern. Die Reproduktionen nach Millet, die Theo schickt, sind ein kleiner Ersatz. Er setzt sie in Bilder um, und sie werden ihm zu "Erinnerungen an den Norden" oder zu "Erinnerungen an Brabant", wie er fast zärtlich an die Mutter schreibt.
"Die Grabenden im Schnee" sind wirkliche Erinnerungen, denn schon in Nuenen hatte er sich in einem Bilde mit einer Frau abgequält, die er im Winter im Schnee Wurzeln pflücken sah. Vielleicht hatte diese Erinnerungen auch ein Schneefall um die Weihnachtszeit in Saint-Rémy ausgelöst, von dem er Theo schreibt: "Ah, während meiner Krankheitfiel nasser Schnee, ich stand nachts auf, um die Landschaft zu betrachten. Niemals erschien mir die Landschaft so anrührend und voller Gefühl". Und so wird die bleichende Helligkeit des Südens zum gleissenden Schnee des Nordens, mit den gebückten Bäuerinnen im verschneiten Feld vor den strohgedeckten Hütten, über denen in einem sturmbewegten Himmel gelbrot die Sonne untergeht: ein Bild der Erinnerung und zugleich ein Bild der Sehnsucht nach dem Norden.