Vincent van Gogh
(Groot-Zundert, 1853-1890, Auvers-sur-Oise)
Sämann bei Sonnenuntergang, 1888
Öl auf Leinwand, 73 x 92 cm
Signiert unten rechts: Vincent
De la Faille 450
Im Sämann bei Sonnenuntergang greift Vincent van Gogh ein Motiv auf, das ihn seit seiner Ankunft im südfranzösischen Arles 1888 wiederholt beschäftigt hat. Im Unterschied zu den früheren Darstellungen fokussiert van Gogh den Blick im Bild der Bührle-Sammlung aber ganz entschieden auf die Figur des Sämanns. Seiner dunklen Silhouette entspricht in der rechten Bildhälfte ein oben und unten beschnittener, ebenso dunkler Baumstamm. Figur und Baumstamm stehen im Gegenlicht der untergehenden Sonne, deren Scheibe über dem Horizont gleichzeitig wie ein Heiligenschein über dem Sämann leuchtet. Die flache Felderlandschaft und der Himmel sind in Farbtöne getaucht, die von Grün und Violett dominiert werden. Das Bild entstand während der Zeit, als Paul Gauguin auf Einladung von van Gogh in Arles weilte und gemeinsam mit ihm malte. Es darf insofern auch als eine aufschlussreiche Entgegnung gelesen werden, mit der van Gogh sich vom Schaffen des Malerfreundes und Konkurrenten abgrenzte. Gauguins Bilder aus den Tagen in Arles sind vom Versuch gekennzeichnet, Figur und umgebende Landschaft in einem grossen gemeinsamen Muster aufgehen zu lassen. Demgegenüber gewinnt van Goghs Sämann seine Kraft gerade aus der lapidaren Gegenüberstellung von Figur und Landschaft. Van Gogh war mit seinem Werk so zufrieden, dass er es ganz ausnahmsweise auch signierte. Der grosse Sämann bei Sonnenuntergang nimmt in van Goghs Werk eine besondere Stellung ein. Seine Präsenz in der Sammlung Bührle ist kennzeichnend für den Ehrgeiz, mit dem Emil Bührle vorging. Künstler, die ihn interessierten, wollte er mit Werken in seiner Sammlung verankern, die als Resümee ihrer künstlerischen Anstrengungen gelten können.