Vincent van Gogh
(Groot-Zundert, 1853-1890, Auvers-sur-Oise)
Die Seine-Brücken von Asnières, 1887
Öl auf Leinwand, 53.5 x 67 cm
De la Faille 301
Dank seinem Bruder Theo, der sich in Paris als Kunsthändler etabliert hatte, bekam Vincent van Gogh gleich nach seiner Ankunft in Paris im Frühjahr 1886 Anschluss an die Impressionisten. Bei der letzten gemeinsamen Ausstellung, zu der sich die Impressionisten damals noch einmal zusammenfanden, lernte van Gogh die Werke von Georges Seurat und Paul Signac kennen. Sie waren in einer neuen Technik gemalt, die man als Pointillismus bezeichnete. Wie viele Maler war auch van Gogh von dieser neuen Technik beeindruckt. Sie veranlasste ihn, die dunkeltonige Malerei aufzugeben, die er bisher in Holland praktiziert hatte. Als Autodidakt brachte er sich die Technik des getupften Farbauftrags in einer Reihe von Selbstbildnissen bei, um dann grössere Motive in Angriff zu nehmen. Der im Sommer 1887 entstandene Blick auf die Seine bei Asnières mit der Eisenbahnbrücke über den Fluss zeigt van Gogh im Vollbesitz der neuen Technik beim Malen "en plein air", also draussen, im gleissenden Licht der Sonne. Im leicht bewegten Wasser spiegeln sich die Brückenpfeiler, und weisse Farbe lässt die Steinbrüstung entlang dem Flussufer und das Widerlager der Brücke leuchtend hervortreten. In raffiniert zufälliger Manier macht der Künstler die Figur der rosa gekleideten Dame mit rotem Schirm zu einem geheimen Mittelpunkt der Darstellung. Das Interesse für die unmittelbare Umgebung von Paris teilte van Gogh mit vielen Impressionisten. Das Bild gehört zu einer Reihe von Dreier-Serien, zu denen van Gogh diese Vorstadt-Landschaften kombinierte. Auch ein anderes, heute in Oxford aufbewahrtes Bild aus der gleichen Reihe weist den roten Rahmen auf, mit dem van Gogh die Ponts d'Asnières eingefasst hat.