Vincent van Gogh
(Groot-Zundert, 1853-1890, Auvers-sur-Oise)
Kopf einer Bäuerin, 1885
Öl auf Leinwand, auf Holz, 41 x 30.5 cm
De la Faille 80
Das zentrale Thema des zweijährigen Aufenthalts in Nuenen für van Gogh ist nicht die Landschaft, er will ein Bauernmaler werden. Wenn es ihm schon verwehrt war, als Prediger in einem belgischen Steinkohlerevier sein Letztes mit den Ärmsten zu teilen, so will er sich doch wenigstens als Maler zum Fürsprecher der Bauern und Weber machen, die er in ihren einfachen Katen bei der täglichen Arbeit malt und zeichnet oder die er auf die Felder begleitet, um sie beim Graben, Säen und Ernten darzustellen. Er fühlt sich den Meistern von Barbizon verwandt und will die Ideen fortsetzen, deren Bahnbrecher Jean-François Millet war.
Das Geschlecht dieser Brabanter Bauern und Weber ist nicht schön, die harte Arbeit winters und sommers hat sie geprägt.Van Gogh wird nicht müde, sie in ihren dunklen Hütten zu malen, besonders in den Wintermonaten, wenn sie gern das Modellgeld verdienen, das Theo regelmäßig seinem Bruder schickt. Es entstehen mehr als vierzig Studien dieser Art, von denen van Gogh meint, die eine oder andere, "wenn sie auch jetzt nichts wert sind", werde später einmal ihren Wert haben. Die Farbe dieser Köpfe vergleicht van Gogh mit der "einer staubigen, natürlich ungeschälten Kartoffel" und fühlt sich daran erinnert, was man von Millets Bauern sagte: "Seine Bauern scheinen mit der Erde gemalt zu sein, auf der sie säen".