Paul Gauguin
(Paris, 1848-1903, Hiva-hoa, Marquesas, Südsee)
Die Opfergabe, 1902
Öl auf Leinwand, 68.5 x 78.5 cm
Signiert & datiert oben links: P. Gauguin 1902
Wildenstein 624
Paul Gauguin ist als dritter der grossen Nachimpressionisten neben Paul Cézanne und Vincent van Gogh in die Kunstgeschichte eingegangen. Auch seinem Werk hat Emil Bührle in seiner Sammlung einen wichtigen Platz eingeräumt. In besonderem Mass verband sich im Leben von Gauguin die Stellung des künstlerischen Vorreiters mit der Stellung des gesellschaftlichen Aussenseiters. Schrittweise wurde aus dem wohlhabenden Pariser Bankier ein kranker Mann am Rand des Existenzminimums. Ebenso schrittweise entfernte sich Gauguin auch geographisch vom Zentrum seines bisherigen Lebens, bis er sich zuletzt auf einer Insel in Französisch-Polynesien mitten im Pazifischen Ozean niederliess. Dort ist auch Die Opfergabe entstanden, die Sie hier sehen. Die beiden gross dargestellten Figuren sind untereinander durch das Motiv der Blumen verbunden, welche die Frau zur Rechten der Frau zur Linken entgegen hält. Offen bleibt, ob die Gabe dem Kind gilt, das die Beschenkte stillt. Viel Aufmerksamkeit ist der Haut der beiden Polynesierinnen gewidmet sowie der farbigen Wirkung ihrer Oberfläche. In seinen Briefen an die Pariser Freunde schwärmt der Maler wiederholt von der "goldenen Farbe", die er auf der Haut der einheimischen Frauen wahrzunehmen glaubte. Durch die Fensteröffnung hinter den Figuren gleitet der Blick auf das Dach einer tiefer liegenden Hütte und die üppige grüne Vegetation der Umgebung. Auf sie fällt teilweise die Sonne, wodurch das Zwielicht im schattigen Innenraum zusätzliche Wirkung erhält. Auffällig sind die stark betonten, schwarzen Umrisslinien, die die Oberkörper der beiden Frauen einfassen. Sie erinnern an eine Phase in Gauguins Schaffen, in der der Maler im Rückgriff auf mittelalterliche Glasgemälde in Kirchen der Bretagne kräftige Umrisslinien gezielt zur Steigerung der farbigen Wirkung einsetzte.