Paul Gauguin
(Paris, 1848-1903, Hiva-hoa, Marquesas, Südsee)
Sonnenblumen auf einem Sessel, 1901
Öl auf Leinwand, 68 x 75.5 cm
Signiert & datiert unten rechts: P. Gauguin 1901
Wildenstein 602
Gauguin hat seit seinen frühesten Anfängen, schon als dilettierender Sonntagsmaler, Stillleben gemalt. Er liess sich dabei am meisten durch den von ihm bewunderten Cézanne leiten; von ihm besass er ein Stillleben, das nicht nur als Hintergrund eines weiblichen Bildnisses in Chicago (Art Institute) auftritt, sondern ihn offensichtlich in seinen eigenen Stillleben beeinflusst hat. Die ersten selbständigen Leistungen auf diesem Gebiet sind in der Bretagne zwischen 1888 und 1890 entstanden, wobei die auf einem Queroval aufgebauten Stillleben als Vorstufen unserer "Sonnenblumen auf einem Sessel I" von 1901 gelten können. Georges Wildenstein verweist zu diesem Bild auf ein Schreiben Gauguins an seinen Freund, den Bildhauer Daniel de Monfreid, vom Oktober 1898, in dem er ihn um Blumensamen und Blumenknollen bittet, die seinen kleinen Garten im fernen Tahiti verschönern sollen. Wie sehr die selbstgezogenen Sonnenblumen sein Malerauge entzückt und angezogen haben, bezeugen die vier Sonnenblumenstillleben, die wohl kurz nacheinander entstanden. Das Bild der Ermitage in Leningrad steht dem Bilde hier am nächsten. Für Gauguin, dessen Gedanken von Tahiti stets nach Frankreich, gingen, mußten Sonnenblumen aber immer auch ein Rückerinnern an van Gogh und den Aufenthalt in Arles 1888 bedeuten.