Odilon Redon
(Bordeaux, 1840-1916, Paris)
Der Sturz Phaetons, um 1910
Öl auf Papier, 40 x 48 cm
Signiert unten links: Odilon Redon
Wildenstein 875
Odilon Redon, 1840 in Bordeaux geboren, ist ein Generationsgenosse der Impressionisten und hat doch wenig mit ihnen gemein, auch wenn er 1886 mit Seurat und Signac zu denen gehörte, die an der letzten Impressionisten-Ausstellung teilnahmen. Viel eher ist er Puvis de Chavannes' Schicksalsgenosse, dessen Wurzeln in der Romantik Delacroix' ruhen und dessen visionäre Überhöhung des Impressionismus erst durch Emile Bernard, Gauguin und die Symbolisten späte Anerkennung fand. Zutiefst ist Redon ein Einzelgänger, ein Einsamer mit starken Bindungen an den väterlichen Gutshof Peyrelebade im Médoc mit seinem verwilderten Garten und seiner melancholischen Heidelandschaft. Hier in dieser weiten, öden Landschaft, in die er auch von Paris immer wieder zurückkehrt, ist Redons Phantasie Raum gegeben, und er bevölkert sie mit seinen Traumfiguren.
Die in ständig sich verändernden Formen vom nahen Atlantik aufsteigenden Wolken und der Wechsel von Licht und Dunkel sind unerschöpfliche Quellen seiner Phantasie. Von diesem Naturschauspiel ist es nur ein Schritt zum Sonnenwagen Apollos, einer Lieblingsdarstellung Redons, von der Klaus Berger allei n zwölf Versionen aufführt, oder zu dem vermessenen Phaeton, dem Sohn des Sonnengotts Helios, der die Gewalt über den entliehenen Sonnenwagen verliert und vom Blitz des Zeus getroffen stürzt, wodurch die Erde vor der versengenden Macht der Sonne gerettet wird. Auch in dem Ölbild verleugnet Redon den anfänglichen Graphiker nicht, wenn er auf Papier mit feinem schwarzem Pinsel und der Feder in ondolierender und schraffierender Zeichnung arbeitet, die er in die bedrohenden Gelb, Orange und Rot des sengenden Sonnenlichts einbettet.