Odilon Redon
(Bordeaux, 1840-1916, Paris)
Kalvarienberg, um 1895
Pastell auf Karton, 69 x 53 cm
Signiert unten rechts: Odilon Redon
Wildenstein 511
Um die Mitte der 1890er Jahre löst ein religiöser Mystizismus die dunklen Visionen des Graphikers Redon ab. An die Stelle der Kohle tritt das farbige Pastell. Christusdarstellungen rücken in den Mittelpunkt: "Die Dornenkrone", "Das Herz Jesu" und "Christus im Schweigen". Es ist die Zeit, in der die Freunde Emile Bernard, Paul Serusier und Maurice Denis sich intensiv mit katholischen Themen auseinander setzen. Redon, der sich den Nabis angeschlossen hat, ist nicht frei von diesen Einflüssen, ohne allerdings für sich dieselben Konsequenzen zu ziehen.
In dem "Kalvarienberg" der Sammlung Bührle tritt uns dieser von religiösen Hoffnungen gefangene Redon entgegen, gefesselt auch in dem Sinne, dass er einengenden Zwängen unterliegt: die überbetonte "sakrale" Mittelachse des Kreuzstammes mit dem kleinen Gekreuzigten am oberen Bildrand und die starre, trauernde Maria in ihrem roten Mantel sind mehr aus einem künstlerischen Wollen als aus magischer Sicht geboren. Redon wird diese Fesseln einer manieristischen Religiosität bald abschütteln, denn aus seinem Pantheon lassen sich Buddha und Apollo nicht verdrängen.