Berthe Morisot
(Bourges, 1841-1895, Paris)
Madame Albine Sermicoli im Atelier, 1889
Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm
Atelier-Stempel unten rechts
Clairet 245
Berthe Morisot, die Schwägerin Manets, hat den Impressionismus um eine zauberhafte Nuance bereichert. Das gesicherte Bürgertum ihres Herkommens hat sie nicht gehindert, sich die Massstäbe für ihr hohes Talent als Malerin bei genialen Lehrern und Freunden zu schaffen. Corot in den Anfängen, Manet – ihr in der Konfliktstellung zwischen Grossbürgertum und genialem Aussenseitertum besonders verwandt – in der mittleren Zeit und Renoir in den späteren Jahren bestimmen ihre künstlerische Entwicklung. Der Mensch in seiner intimen Umwelt von Familie, Haus und Garten ist das Thema ihrer Kunst. Diesem engen Themenkreis verschafft die Freiheit und die Leichtigkeit ihres lebhaften Pinselstrichs die Atmosphäre der Gelöstheit des Impressionismus. In der Befürchtung, in dieser Lichtmalerei die Dinge allzusehr aufzulösen, stellte sie Ende der achtziger Jahre die Führung ihres Pinsels mehr in den Dienst der Form. Hierzu ist das Bildnis der Madame Sermicoli auf der Chaiselongue von 1889 ein Beispiel.