Claude Monet
(Paris, 1840-1926, Giverny)
Mohnblumen bei Vétheuil, um 1879
Öl auf Leinwand, 73 x 92 cm
Signiert unten rechts: Claude Monet
Wildenstein 536
Das „Mohnblumenfeld bei Vétheuil“ in der Nähe von Paris entstand kurz nachdem sich Claude Monet mit seiner Familie in der Ortschaft niedergelassen hatte. Monet durchlebte damals eine schwierige Zeit. Seine Frau Camille starb nach längerer Krankheit, und er musste nicht nur für die eigenen Kinder, sondern auch für die Kinder seiner neuen Gefährtin Alice aufkommen. Es ist anzunehmen, dass sie eine der Figuren ist, die im Vordergrund des Bildes Mohnblumen pflücken, um damit Sträusse zu binden. Doch nicht nur als Dokument für die Biographie des Künstlers ist das Bild der Bührle-Sammlung wichtig. Es belegt auch einen Moment in Claude Monets künstlerischer Entwicklung, wo der flüchtige, impressionistische Pinselstrich vermehrt in den Dienst der Darstellung genommen wird. Besonders deutlich wird das dort, wo Monet die breit hingestrichenen Partien des bewölkten Himmels von den getupften Blumen im Feld abhebt. Gekrauste Pinselstriche geben das Buschwerk links im Mittelgrund wieder, während langgezogene, horizontale Striche das ruhige Dahinziehen der durch Vétheuil fliessenden Seine charakterisieren. Unter den Landschaftsmalern der Impressionisten wurde Claude Monet von der Kritik schon früh als eigentlicher Kopf der Bewegung identifiziert. Wie kein zweiter fasste er die Landschaftsmalerei als ständige Herausforderung auf, mit neuen Stilmitteln zu experimentieren und neue Aufgaben in Angriff zu nehmen. Schon wenige Jahre nach dem Vétheuil-Bild wird Claude Monet in einer neuartigen, seriellen Produktionsweise sein Augenmerk auf die sich verändernden Licht- und Farbverhältnisse richten, die auf gleichbleibenden Motiven zu beobachten sind. Und ganz am Schluss seines langen Lebens wird er in den Seerosen-Bildern dem Impressionismus eine neue, architektonische Dimension erschliessen.