Eugène Boudin
(Honfleur, 1824-1898, Paris)
Der Strand von Berck, 1894
Öl auf Holz, 22.5 x 33 cm
Bezeichnet, signiert & datiert unten links: Berck E. Boudin 94
Schmit 3231
Das Leben Boudins, das er ausschliesslich seiner Malerei widmet, verläuft undramatisch. Im Winter meist in Paris, wo er sich aber nie recht einlebt, verbringt Boudin die Sommermonate immer wieder an den Küsten Frankreichs, seit 1885 auch am Mittelmeer und zwischen 1892 und 1895 dreimal in Venedig. Seine Kunst findet in den späteren Jahren allmählich Anerkennung, und Durand-Ruel setzt sich für ihn ein, auch in den Vereinigten Staaten.
Im Sommer 1894 ist Boudin nach einem Venedig-Aufenthalt, wie schon häufig vorher, in Berck-sur-Mer am Kanal, wo auch Manet malte. Über das persönliche Leben des nun Siebzigjährigen hatte sich nach dem Tode seiner Frau (1889) Einsamkeit und eine gewisse Resignation gesenkt, aber in seiner Kunst ist nichts von Ermüdung zu spüren. Dafür zeugt auch der "Strand von Berck". Auf dem kühlen Graurosa des Strandes breitet sich in tiefen Blaus und Rots, belebt durch weisse Kopftücher, die bewegt heitere Gruppe der normannischen Fischermädchen aus, hinter ihnen die während der Ebbe weit zurückgetretene bläuliche See mit dem zart bewölkten Himmel darüber, dessen ferne Weite durch den schwarzen Fischkutter im Vordergrund links noch betont wird. Ein Bild voll Zartheit und Kraft, das bei seiner konservativen Grundhaltung nichts an Frische eingebüsst hat.