Pierre Auguste Renoir
(Limoges, 1841-1919, Cagnes)
Zwei Mädchen (Sommerhüte oder Le Chapeau épinglé), 1893
Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm
Signiert unten rechts: Renoir
Dauberville 995
Ist es ein Wunder, wenn die kleinen Mädchen aus reichen Familien in ihren Sonntagskleidern – "endimanchées", wie es so treffend im Französischen heisst – zuweilen wie zu grosse und zu teure Puppen wirken, mit denen man nicht spielen kann? Der Maler der "Moulin de la Galette" blieb im Grunde in der Grossbourgeoisie ein Fremder, er fühlte sich wohler unter seinesgleichen. Die Kinder seiner kleinbürgerlichen Nachbarn auf dem Montmartre standen ihm näher, die kleinen Hutmacherinnen und Blumenverkäuferinnen. Aus ihnen wuchs ihm der in das Leben verliebte Mädchentyp zu, den er seinem Ideal anverwandelte. Renoir wurde nicht müde, diesen Typ immer wieder hymnisch zu feiern. Mit sinnenfreudigem Pinsel schwelgt er in der knospenhaften Pracht ihres Lebensfrühlings, in den wohlig schwellenden Formen und dem schönen Tand der Jungmädchenfreuden, dem üppigen Tüllhut, mit dem man es den grossen Damen nachtut; vielleicht dürfen wir in diesem Modell wirklich eine kleine Modistin sehen, die der jüngeren "Belle jardinière", die ein paar Blumen mitgebracht hat, den ihr Gesichtchen umschmeichelnden Strohhut schmückt. Die Komposition verwendete Renoir für eine Radierung und eine Lithographie.