Pierre Auguste Renoir
(Limoges, 1841-1919, Cagnes)
Porträt Alfred Sisley, 1864
Öl auf Leinwand, 81 x 65 cm
Dauberville 525
1862 hatte Auguste Renoir im Atelier des Schweizers Charles Gleyre in Paris Alfred Sisley, Claude Monet und Frédéric Bazille als Mitstudenten kennengelernt. Zwischen diesen hatte sich eine echte Freundschaft entwickelt, die in fruchtbarer Zusammenarbeit ihren Ausdruck fand. 1863 und 1865 arbeitete Renoir mit seinen Freunden im Wald von Fontainebleau, Anfang 1866 war er wieder dort mit Sisley. 1864 malt der siebenundzwanzigjährige Renoir den zwei Jahre älteren Freund. Alfred Sisley, der Sohn eines damals noch wohlhabenden englischen Kaufmanns in Paris, ist junger Ehemann. Er lebt seinen Neigungen, er malt gelegentlich oder lässt sich malen, nicht zuletzt, um damit seinem Freund zu helfen. Dieser Sisley hat die Rückschläge und Enttäuschungen des Lebens noch nicht erfahren, er ist ein gelassener, stiller Teilnehmer am künstlerischen Geschehen, noch mehr englischer Grossbürger als der französische Impressionist, der er werden sollte. Renoir dagegen steht schon in seiner frühen Meisterschaft, die in dem Manet der sechziger Jahre das bestimmende Leitbild gefunden hat. Dass es sich bei diesem Halbfigurenbild um einen Auftrag Sisleys handelt, ist durch die Provenienz des Bildes erwiesen, wird aber auch deutlich im Gegensatz zu dem Bilde Sisleys, das Bazille gleichzeitig malt – liegend, die Pfeife rauchend –, eine echte Improvisation eines Malerfreundes.