Alfred Sisley
(Paris, 1839-1899, Moret-sur-Loing)
Lastschiffe in St-Mammès, um 1885
Öl auf Leinwand, 38 x 55 cm
Signiert unten links: Sisley
Daulte 627
Es geschah ebenso aus Resignation wie aus Neigung, dass Sisley 1880 nach Moret-sur-Loing am Südrande des Waldes von Fontainebleau übersiedelte, in dem er schon in den 1860er Jahren mit Renoir, Monet und Bazille gearbeitet hatte. Resignation nach den vielen erfolglosen Bemühungen in Paris und Neigung zu einer kleineren, intimen Welt, in der das seelische Gleichgewicht für ein harmonisches Schaffen nicht gestört wird. An den Experimenten des neueren Impressionismus in den achtziger Jahren nimmt er nicht teil und bleibt bei seinem "romantischen Impressionismus", wie ihn Pissarro etwas abschätzig genannt hat. Das mittelalterliche Moret mit seiner Kirche, mit seinen engen Strassen und seiner alten Steinbrücke über dem Loing gibt ihm unerschöpfliche Vorwürfe. Vor allem ist es aber wieder die Stromlandschaft, die ihn reizt: Der Loing mit dem Loing-Kanal und der kleinen Orvanne, die in ihn münden, bis er sich in Saint-Mammes in das breite Seinebett ergiesst. In diesem Mündungsgebiet des Loing stellt er besonders gern seine Staffelei auf. Hier, gegenüber dem doppel-giebligen Haus am Quai de Loing, das so oft auf Sisleys Bildern auftaucht und noch erhalten ist, gehen die schweren Lastkähne, damals wie heute, vor Anker, wenn sie einen Ruhetag haben, und beleben das Wasser mit ihren Spiegelungen. Am Quatorze Juillet werden sie mit dem farbigen Fahnentuch der Trikolore geschmückt, und Sisley schreckt vor diesen Lokalfarben, die nach ihm die Fauves so reizen werden, nicht zurück – ein Bild aus spontanem Erlebnis in skizzenhaftem Vortrag gemalt.