Alfred Sisley
(Paris, 1839-1899, Moret-sur-Loing)
Sommerlandschaft bei Bougival, 1876
Öl auf Leinwand, 47 x 62 cm
Signiert & datiert unten rechts: Sisley 76
Daulte 227
So schön die durchgrünte Wohnlandschaft von Louveciennes und von Marly-le-Roi mit ihren sanften Höhen, den blühenden Obstbäumen und ihren Platanenalleen ist, die grosse magische Anziehungskraft dieser Gegend für die Impressionisten ist die Seine, die in dem künstlerisch so ertragreichen Sommer von 1874 alle in Argenteuil zur Zusammenarbeit vereint hatte. Schon im Frühjahr übt sie auf Sisley ihre Anziehungskraft mit ihrem Wasserreichtum und ihren Überschwemmungen aus, die ihn zu schönsten Werken inspirieren. Sisley liebt das alte Pumpwerk in der Seine auf der Grenze von Marly und Bougival mit seinem smaragdgrünen Kupferdach, das, einst Wahrzeichen dieser Gegend, dem modernen Verkehr geopfert wurde. Aber es bedurfte nicht immer eines dominierenden Sujets; der hohe Himmel mit seinen ziehenden Wolken über dem weiten Tal und dem in der Ferne sich verlierenden Strom im wechselnden Licht eines Frühsommertages genügt ihm. Nichts stört die sommerliche Stille. Der Uferweg mit einem Fussgänger an dem gewundenen Flusslauf, begleitet von einem Zaun, in dem das Sonnenlicht spielt, gibt dem Bild der Weite die Intimität. Sisley hat diese Seine-Landschaft bei Bougival noch mehrfach gemalt. Es ist heute nur noch schwer verständlich, dass er mit diesen zauberischen, unbeschwerten Landschaften beim Publikum seiner Zeit bis in seine späten Jahre kaum Erfolg gehabt hat, und nur dadurch zu erklären, dass der Salon mit seinen riesigen, aufdringlichen Historienbildern die Augen für diese kleinen Kostbarkeiten des Lichtes und der Farbe unempfindlich gemacht hatte.