Alfred Sisley
(Paris, 1839-1899, Moret-sur-Loing)
Die Strasse von Saint-Germain in Marly, 1875
Öl auf Leinwand, 46 x 55 cm
Unten rechts signiert: Sisley
Daulte 156
Als sich Alfred Sisley 1875 für zwei Jahre in Marly-le-Roi niederliess, war er seit langem mit dieser Gegend vertraut. Seit dem Deutsch-Französischen Kriege von 1870/71 hatte er in dem Marly benachbarten Louveciennes gelebt. Von dort fällt die Route de Versailles, an der Pissarro wohnte und an der Sisley mit Renoir gemalt hatte, in Windungen nach Marly ab, um den Ort an der Place de l’Abreuvoir zu erreichen. Die baumbestandene Strasse unseres Bildes führt im Bogen an dem Wasserbecken entlang, das man am rechten Bildrand nur ahnen kann. Die Strasse liegt im Schnee, durch den sich mühsam ein Pferdekarren seinen Weg bahnt. Schneelandschaften sind ein besonderes Anliegen der Impressionisten, vor allem Monets, Pissarros und Sisleys. Das Spiel des Lichtes ist nirgends so rein wie auf dem Schnee, die Schatten sind mit ihren blauen und violetten Tönen nirgends so farbig. Da der Schnee in der lle-de-France nicht lange liegen bleibt, beeilen sich die Maler, mit ihrem Malgerät hinauszugehen. Sisley malt an dieser Stelle gleichzeitig zwei Bilder. Die Kälte zwingt zu schneller, konzentrierter Arbeit, die dem blau durchwirkten Schneebild eine temperamentvolle Vitalität verleiht.