Paul Cézanne
(Aix-en-Provence, 1839-1906, Aix-en-Provence)
Der Gärtner Vallier, um 1904/06
Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm
Rewald 953
Mit Ausnahme einer kurzen Reise nach Paris und Fontainebleau 1904 hat Cézanne in den letzten Jahren seines Lebens Aix-en-Provence nicht mehr verlassen. Als er nach dem Tode der Eltern das Gut Jas de Bouffan 1899 verkauft hatte, baute er 1902 oberhalb von Aix am Chemin des Lauves ein geräumiges Atelierhaus in einem Garten, von dem man über das Arc-Tal auf die Montagne Sainte-Victoire blickt. Hier wirkte Vallier als Gärtner und letztes Modell des Künstlers. Cézanne malte ihn in sonntäglicher Würde mit Schirmmütze und am liebsten im Arbeitsanzug mit dem Strohhut, der ihn vor der Sonne schützte. In diesen grandiosen Altersbildern streift Cézanne die einengenden Fesseln des Konstruktivismus ab, um sich ganz von seiner künstlerischen Intuition leiten zu lassen, der er in freien, fast hastigen Pinselstrichen Ausdruck gibt. Es drängt, denn er fühlt den nahenden Tod. Am 16. Oktober 1906 wird er auf dem Heimweg vom Motiv von einem Gewitter überrascht und bricht zusammen. "Am nächsten Tag ist er schon am frühen Morgen in den Garten gegangen, um unter der Linde an einem Porträt von Vallier zu arbeiten" (Brief Marie Cézannes an den Sohn des Künstlers vom 20. Oktober). Vallier sitzt en face mit übergeschlagenen Beinen und verschränkten Armen, die durch die Zweige fallende Sonne hebt mit ihren Lichtflecken die Grenzen zwischen der Figur und der Landschaft auf. Die beiden großen Themen des Künstlers vermählen sich. Cézannes Tod am 22. Oktober 1906 läßt das Werk unvollendet.