Paul Cézanne
(Aix-en-Provence, 1839-1906, Aix-en-Provence)
Selbstbildnis mit Palette, um 1890
Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm
Rewald 670
Paul Cézannes Bildnis in der Sammlung Bührle ist das grösste Selbstporträt des Künstlers. Es zeigt den rund Fünfzigjährigen vor der Staffelei stehend bei der Arbeit. Die auf einen Keilrahmen aufgespannte Leinwand ist nur von hinten zu sehen. Die rechteckige Palette ist in auffälliger Weise gegen den Betrachter geklappt und vereint schraffierte Flächen zu ungegenständlichen Farbfeldern. Bestimmt wird das Selbstbildnis von dem hellen Hintergrund, der die stehende Dreiviertelfigur hinterfängt. Es ist anzunehmen, dass sich der Künstler im kargen Interieur seines südfranzösischen Ateliers in Aix-en-Provence wiedergegeben hat. Dazu passt auch die unbürgerliche Kleidung mit dem offenen, kragenlosen Hemd – hier tritt nicht ein Malerfürst vors staunende Publikum, sondern ein Handwerker gewährt ein paar Eingeweihten Einblick in sein Schaffen. Bis zum Ende seines Lebens blieb Cézanne ein Geheimtipp für Insider der Szene. Dazu trug bei, dass er überwiegend fern von der Hauptstadt Paris arbeitete, obwohl sich seine wenigen Anhänger alle dort befanden. Cézanne erlebte aber noch, wie ein erstes Bild von seiner Hand durch ein Museum angekauft wurde. Hugo von Tschudi erwarb 1897 eine Landschaft von Cézanne für die Nationalgalerie in Berlin. Kurze Zeit nach seinem Tod wurde Cézanne allgemein als einer der grossen Maler der Moderne anerkannt. Künstler in vielen Ländern folgten seinem Beispiel, und Sammler in aller Welt bezahlten rasch steigende Preise für seine Bilder.