Paul Cézanne
(Aix-en-Provence, 1839-1906, Aix-en-Provence)
Die Frau des Künstlers mit dem Fächer, 1878/88
Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm
Rewald 606
Seine Gattin Hortense diente Paul Cézanne häufig als Modell für Bildnisse, da die zögerliche Arbeitsweise des Künstlers grosse Geduld bei Porträt-Sitzungen erforderte. In ihrer rechten Hand hält Madame Cézanne einen zusammengeklappten Fächer. Ihr mit schwarzen Schleifen besetztes graues Kleid ist farblich auf die Blumentapete im Hintergrund abgestimmt. Das Bildnis der Sammlung Bührle entstand zuerst in der Pariser Wohnung des Paares, wurde aber zehn Jahre später von Cézanne noch einmal überarbeitet. Bei der Gelegenheit erhielt das Gesicht die charakteristische, maskenhafte Starre, bei der die Augen fast ganz zu schwarzen Höhlen werden. Das Bild gelangte 1952 in die Sammlung von Emil Bührle. Zu dem Zeitpunkt hatte das Porträt bereits eine lange eigene Geschichte hinter sich, die es zu einem Schlüsselwerk für die Rezeption der französischen Moderne machte. Das verdankte es vor allem einer prominenten Vorbesitzerin. Von 1904 bis 1943 befand sich das Porträt im Besitz der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein, die gemeinsam mit ihrem Bruder Leo in Paris ein vielbesuchtes Atelier unterhielt. Dort sah auch Pablo Picasso das Bildnis der Madame Cézanne und benutzte es als Modell für ein eigenes Porträt seiner Freundin Gertrude Stein. Das Cézanne-Bildnis ist auch auf zahlreichen Fotografien der verschiedenen Pariser Wohnungen zu sehen, die Gertrude Stein im Verlauf der Jahre bewohnte. Der Kauf des Bildnisses von Madame Cézanne durch Leo und Gertrude Stein kurz nach 1900 war ein Bekenntnis zur künstlerischen Avantgarde der Zeit gewesen. Der Kauf des gleichen Bildnisses fünfzig Jahre später durch Emil Bührle war ein Bekenntnis zur inzwischen bewiesenen Bedeutung der Avantgarde von einst. Das Bild definiert so auch die Stellung der Sammlung Bührle in der Geschichte des Kunstsammelns im 20. Jahrhundert.