Paul Cézanne
(Aix-en-Provence, 1839-1906, Aix-en-Provence)
Landschaft, um 1879
Öl auf Leinwand, 54 x 73 cm
Rewald 412
Hatte die "Versuchung des heiligen Antonius" selbstquälerische, schockierende Züge innerer Zerrissenheit und Vereinsamung, so spiegelt das Ende der 1870er Jahre entstandene Landschaftsbild der Sammlung Bührle Harmonie und Ausgeglichenheit. Mit Cézanne war ein grosser Wandel vor sich gegangen. Nach dem deutsch-französischen Krieg, während dessen er sich in L’Estaque verborgen hielt, hatte er in enger Arbeitsgemeinschaft vor allem mit Pissarro und Guillaumin an den Errungenschaften und Erkenntnissen der jungen Maler, die man bald die Impressionisten nennen sollte, aktiv teilgehabt. In Auvers und Pontoise war er mit Pissarro aufs Motiv gegangen und hatte das Glück freundschaftlichen Gebens und Nehmens erfahren. Die Landschaft war jetzt für ihn nicht mehr Bühne dramatischen Geschehens, wie in der "Schneeschmelze von L’Estaque", sondern er malte sie jetzt, wo sie am unauffälligsten war, wo er am besten in ihr aufgehen, sich ihr unterstellen konnte, um sich in der malerischen Wiedergabe zu objektivieren.
Die dargestellte Landschaft ist nicht identifizierbar, und ihre frühere Bezeichnung als Provence-Landschaft ist nicht länger gültig. Der gewählte Ausschnitt bietet kein beherrschendes Motiv, keinen ragenden Berg, nur ein sanft ansteigendes Hügelgelände, keine imponierende Baumsilhouette, nur unansehnliches Busch- und Baumwerk, das Cézanne locker tupfend wiedergibt. Die Häuser sind auf winzige Hütten reduziert und markieren nur Haltepunkte in den welligen Schwingungen des Geländes. Wie immer bei Cézanne – im Gegensatz zu seinem Freunde Pissarro – ist diese Landschaft unbelebt und menschenfern. Cézanne ist mit ihr allein, er sitzt nicht vor ihr, sondern sie umgibt ihn mit ihrer Helligkeit. Wenn man Cézanne einen Impressionisten nennen kann, dann solcher Bilder wegen.