Edgar Degas
(Paris, 1834-1917, Paris)
Kleine vierzehnjährige Tänzerin, Original 1880/81, Abguss um 1932/36
Bronze, teilweise bemalt, Baumwoll-Tutu und Seidenband, 98 cm
Signatur-Stempel und Giesserei-Marke auf dem Holz-Sockel
Czestochowski/Pingeot, p. 267 (BUH)
Unter den nach Edgar Degas' Tod 1917 in seinem Atelier vorgefundenen kleinen Wachsfiguren von weiblichen Akten und Pferden befand sich auch die rund 98 cm hohe Figur der Kleinen vierzehnjährige Tänzerin, die der Künstler 1881 als einzige seiner Skulpturen zu Lebzeiten ausgestellt hatte. 1918 entschieden die Erben von Edgar Degas, bei dem Giesser A. A. Hébrard in Paris eine Auflage von je 22 Exemplaren in Bronze von den Wachsfiguren herstellen zu lassen (davon 20 für den Verkauf und je 1 für die Erben und den Giesser). Von der 14jährigen Tänzerin wurden 1922/23 zunächst 10 Exemplare für den Verkauf (und sehr wahrscheinlich auch die 2 zusätzlichen für die Erben und den Giesser) in Bronze gegossen, bemalt und mit einem Tutu aus Stoff ausgerüstet. Wie bei den Kleinskulpturen erhielten die Abgüsse Buchstaben als Nummerierung. Buchstabe A ging an Louisine Havemeyer in New York, die als erste eine komplette Folge aller Degas-Skulpturen erwarb (heute im Metropolitan Museum of Art, New York). Die Figur mit dem Buchstaben B diente lange als Ausstellungsstück, und 7 Figuren mit den Buchstaben C bis J wurden in den folgenden Jahren an Sammler und Museen verkauft. 1931 wurde mit dem Verkauf einer kompletten Folge der 73 Degas-Skulpturen an den Louvre das letzte der 1922/23 hergestellten 10 verkäuflichen Exemplare der 14jährigen Tänzerin abgesetzt; die Louvre-Folge erhielt den Buchstaben P.

1932 übernahm die Tochter des Giessers, Nelly Hébrard, die Leitung der mit dem Vertrieb der Degas-Bronzen betrauten "Société des fontes à cires perdues A. A. Hébrard", während die Giesserei bis 1936 weitergeführt wurde. In dieser Zeit wurde eine weitere Serie der 14jährigen Tänzerin gegossen. Im Unterschied zur ersten Serie wurden die jetzt hergestellten Exemplare mehrheitlich ohne Buchstaben (als Nummerierung) abgegeben. Offensichtlich wurden auch mehr Exemplare gegossen, als im Vertrag von 1918 vorgesehen. Da sich aber unter den ersten im Markt auftauchenden Exemplaren der zweiten Serie auch solche befinden, die über Jeanne Fevre, Degas' Nichte, abgesetzt wurden, ist anzunehmen, dass dies im Einverständnis zwischen Giesserei und Erben geschah. Zwischen 1938 und 1943 wurden insgesamt 8 Exemplare der 14jährigen Tänzerin an öffentliche und private Sammlungen überwiegend in den USA verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bis 1955 weitere 5 Exemplare der zweiten Serie abgesetzt, darunter der Abguss, den Emil Bührle 1954 von der Londoner Galerie Marlborough Fine Art Ltd. erwarb.