J.-A.-D. Ingres
(Montauban, 1780-1867, Paris)
Hippolyte-François Devillers, 1811
Öl auf Leinwand, 96.5 x 78.5 cm
Signiert, bezeichnet & datiert unten links: Ingres à Rome 1811
Wildenstein 79
Bis zum Ende seines langen Lebens übte Jean-Auguste-Dominique Ingres einen enormen Einfluss auf die französische Malerei seiner Zeit aus. Als Porträtist der einflussreichsten Kreise Frankreichs und mit wichtigen öffentlichen Aufträgen ausgezeichnet, galt Ingres als Inbegriff der klassischen und akademischen Malerei. Das Porträt der Sammlung Bührle entstand 1811 in Rom, wo Ingres mit einem Stipendium der Akademie seine Laufbahn begonnen hat. Rom unterstand damals französischer Verwaltung. Als Offizier in Napoleons Armee war Hippolyte-François Devillers unter anderem zuständig für den Umzug der französischen Akademie in die Villa Medici und lernte wohl so den jungen Künstler kennen. Ingres verwendete für seine Bilder eine Formensprache, die sich am Vorbild Raffaels orientierte. Ganz im Sinn der akademischen Doktrin nahm er vor allem für seine Bilder mit historischem oder religiösem Inhalt die Malerei der Renaissance in Rom zum Muster für eigene künstlerische Leistungen. Das Bildnis Devillers' ist mit seinem dunkeln Hintergrund von einfacherem Zuschnitt. Was darin besticht, ist die Genauigkeit von Beobachtung und Wiedergabe. Sie lässt sich etwa in dem täuschend echt erscheinenden Seidenstoff feststellen, aus dem das Futter der Uniform besteht, oder auch im feinen, flauschigen Haar des Porträtierten. Kennzeichnend für Ingres' Stil ist der vollständig unsichtbar gemachte Pinselstrich. Die Bilder tragen eine fast porzellanartige Perfektion ihrer Oberfläche zur Schau. Vorzeichnungen und Korrekturen beim Entstehungsprozess brauchten dem Publikum nicht präsentiert zu werden – das Kunstwerk war Abbild einer vollendeten Lösung.