Edgar Degas
(Paris, 1834-1917, Paris)
Tänzerinnen im Foyer, um 1889
Öl auf Leinwand, 41.5 x 92 cm
Atelier-Stempel unten links
Lemoisne 996
Ist es befremdend oder nicht vielmehr gerade bezeichnend, dass das Werk des sich absondernden Junggesellen und sarkastischen Spötters Degas in der Darstellung des Balletts gipfelt? Er erwirbt sich damit die Unbeschwertheit, die er in seinem persönlichen Leben entbehren muss. Das Thema des Balletts und des Alltags der kleinen Tänzerinnen wird von den 1870er bis zu den 1890er Jahren in zahllosen Bildern in Öl und später vorwiegend in Pastell abgewandelt und reicht vom Lieblichsten bis zum Grotesken, womit sich das Expressive der Kunst des 20. Jahrhunderts ankündigt. Degas begleitet mit seinen Bildern das Ballett von den noch statisch gebauten Ballettstunden mit dem Tanzmeister über die Ballettaufführungen auf der Bühne selbst, die er von der höher gelegenen Loge sieht, bis in die Kulissen, in denen die Tänzerinnen auf ihren Auftritt warten und die letzten Minuten des Wartens noch mit Tanzpositionen überbrücken. Vor allem mit den Bildem der späteren Zeit, zu denen auch unser Beispiel gehört, dringt Degas gleichsam in die Intimsphäre des Balletts ein und erreicht damit den engsten Kontakt zum Thema. Die rückwirkend aus dem Pastell entwickelte gewischte Malweise lässt unbesorgt die vorskizzierte Pinselzeichnung sehen und erhöht damit den Eindruck des flüchtigen Moments der schnell sich verändernden Gruppierungen.