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Madame Camus am Klavier, 1869
Öl auf Leinwand, 139 x 94 cm
Atelier-Stempel unten rechts
Lemoisne 207
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Soweit man weiss, hat Edgar Degas nie ein Porträt als Auftrag gemalt, und gerade das macht ihn zu einem grossen Porträtmaler. Er bleibt mit seinen Bildnissen immer in einer ihm vertrauten Welt, in der er Wurzel geschlagen hat, in seiner Familie – mag sie auch in Florenz, Neapel oder gar in New Orleans sein – oder im Kreise seiner Freunde. So besteht zu den Dargestellten stets eine altvertraut verwandtschaftliche oder persönlich freundschaftliche Beziehung. Es kommt hinzu, dass er seine Modelle nie aus ihrem Milieu herausreisst, um sie in seinem Atelier zu malen, sondern er beobachtet sie in ihrer eigenen Welt, in ihrem täglichen Leben. Das gilt ganz besonders für das Porträt der Madame Camus. Ihr Mann ist Arzt, ein guter Freund Degas’ und mit ihm ein leidenschaftlicher Liebhaber japanischer Kunst. Die Frau selbst ist eine begabte Pianistin und als solche auch mit Madame Manet befreundet. Am Klavier sitzend, hat sie ihr Spiel unterbrochen, hat ihrem Klavierschemel eine Drehung gegeben und sieht auf den Beschauer, während ihre Rechte noch auf den Tasten ruht; hinter ihr werden die Noten sichtbar – die einzige scheinbar exakte Wiedergabe eines Notenbildes im Werk des Künstlers, obwohl er mehrfach zu ähnlicher Genauigkeit Anlas gehabt hätte. Die Mischung aus Transitorischem und verhaltener Würde ist typisch für den jungen Degas, der in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre etwa fünfzig Porträts und Gruppenbildnisse malt. Das Bild ist noch auf brauner Grundierung aufgebaut, das beherrschende Schwarz des Klaviers und des Kleides der Dargestellten kontrastiert mit dem Blau der Schleife, den farbigen Akzenten der Porzellanfiguren, des venezianischen Spiegels mit seiner seidigen Spiegelfläche und den gedämpften Farben des Fusskissens. Im Hinblick auf die unfertigen Hände der Dargestellten wurde das Bildnis nicht zum Salon von 1869 zugelassen; eine Reihe von Arm- und Handstudien, von denen zwei in der Sammlung Bührle aufbewahrt werden, bezeugen, dass Degas sich intensiv um die Fertigstellung bemühte.
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