Camille Pissarro
(St-Thomas, 1830-1903, Paris)
Das Gespräch (Die Route de Versailles in Louveciennes), 1870
Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm
Signiert & datiert unten links: C. Pissarro 1870
Pissarro/Durand-Ruel 163
Camille Pissarros Blick auf die Route de Versailles im Dorf Louveciennes bei Paris wurde 1870 gemalt – vier Jahre, bevor der Künstler als wichtiger Initiant mithalf, die erste Ausstellung der Impressionisten in Paris zu organisieren. Das Bild lässt sich gleichsam in zwei Teilen lesen. Die linke Hälfte gilt der Schilderung des Gesprächs, das zwei Frauen über den Gartenzaun hinweg miteinander führen - sie gehört damit noch ganz in die Welt des künstlerischen Realismus, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Beobachtung des Alltags zum Programm erhob. Die rechte Hälfte dagegen, mit den Spaziergängern auf der besonnten Strasse, lässt sich mit den intensiven Licht- und Farbeffekten als Ausblick auf das verstehen, was der Impressionismus der zeitgenössischen Malerei an Neuem erschliessen sollte. Das Haus am rechten Bildrand ist das Wohnhaus, in dem Pissarro damals mit seiner Familie lebte. Die Frau mit dem Rücken zum Betrachter ist seine Frau Julie, das Kind an ihrer Seite die Tochter Minette. Besondere Aufmerksamkeit verdient die kleine Hütte hinter den beiden Figuren. Sie war gerade gross genug, dass der Künstler darin seine fertiggestellten Landschaftsbilder aufbewahren konnte. Als Atelier musste sie zum Glück nicht dienen – das Atelier von Künstlern wie Pissarro war die Natur, in der die Bilder "en plein air", das heisst unter freiem Himmel, gemalt wurden. Wenn viele Landschaftsmaler des Impressionismus die kleinen Dörfer rund um Paris als Wohnort wählten, hing das nicht nur mit den günstigeren Lebensbedingungen zusammen, sondern auch damit, dass die Maler mit dem Wegzug aus der Stadt ihren Motiven näher kamen.