Jean-Honoré Fragonard (?)
(Grasse, 1732-1806, Paris)
Porträt der Madame Fragonard
Öl auf Leinwand, ø 56 cm

Fragonard heiratete 1769 seine Schülerin, die Miniaturmalerin Marie-Anne Gérard (1745-1823), die wie er selbst aus dem provenzalischen Grasse stammte. Er hat ihre Züge in verschiedenen Zeichnungen festgehalten und sie vermutlich auch auf Darstellungen von Mutter und Kind wiedergegeben. Das Bildnis der Madame Fragonard lässt sich zeitlich am ehesten mit Familienszenen in Zusammenhang bringen, die Fragonard zwischen 1775 und 1780 malte; eine Datierung, die auch dem Alter der Dargestellten, einer gut dreissigjährigen Frau, entsprechen würde. Die Medaillonform (Tondo) des Bildnisses ist ungewöhnlich, Fragonard verwendet sie höchst selten; für Bildnisse bevorzugt der Maler ansonsten die Ovalform. Das Porträt erhebt keine repräsentativen Ansprüche. Fragonard gibt seine Gemahlin in häuslichem Habitus wieder, bekleidet mit einem karmesinroten Rock, der am Hals von einem weissen Brusttuch eingefasst wird. Ihr kastanienbraunes Haar, von einem turbanähnlich geknoteten weissen Tuch verdeckt, tritt über dem rechten Ohr hervor. Das Inkarnat in rosigen Fleischtönen, die mit breiten Pinselstrichen aufgetragen sind, korrespondiert mit den vitalen Zügen der Dargestellten, dem lebhaften Ausdruck ihrer Augen. Nach den Angaben der Gebrüder Goncourt befand sich das Bildnis im Besitz der Nachkommen von Jean-Honoré und Marie-Anne Fragonard.