Henri Fantin-Latour
(Grenoble, 1836-1904, Buré)
Rosen und Lilien in Glasvase, 1864
Öl auf Leinwand, 57 x 42.5 cm
Signiert & datiert unten links: Fantin 1864
Fantin-Latour 242
In einem Brief aus den 1860er Jahren, in denen Fantin-Latour mühsam um seine Existenz zu ringen hatte, schreibt er an seinen Freund Edwards in England: "Ich habe nie so viel Ideen über Kunst im Kopf gehabt und bin gezwungen, Blumen zu malen! Während ich sie male, denke ich an Michelangelo, vor Päonien und Rosen. Das kann nicht so weiter gehen". Und doch ging es so weiter, denn Fantin-Latour malte in seinem Leben mehr als achthundert Stillleben und Blumenbilder, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen; das war in seinen Augen immer noch besser als Porträtaufträge anzunehmen, wofür er eigentlich grosse Eignung gehabt hätte, doch beschränkte er seine Porträtmalerei fast ausschliesslich auf den Kreis seiner Familie und seiner Freunde. Das Stillleben mit Lilien, Rosen, Phlox und Päonien in einer gläsernen Kugelvase in der Sammlung Bührle ist 1864 entstanden. Es steht in seiner zentral symmetrischen Komposition in der Tradition von Ambrosius Bosschaert und Jan Brueghel und lässt in seiner zarten Farbigkeit die künstlerische Umwelt Fantins von Delacroix über Courbet bis Manet ahnen. Fantin ist nie auf den Gedanken gekommen, Blumen im Garten zu malen, auch nicht, nachdem er seit seiner Eheschliessung mit der Malerin Victoria Dubourg, 1876, jährlich die Sommermonate auf einem ländlichen Anwesen ihrer Familie in Buré in der Normandie verbrachte. Auch das unterscheidet den altmeisterlichen Fantin von seinen Impressionistenfreunden.