Henri Fantin-Latour
(Grenoble, 1836-1904, Buré)
Selbstbildnis, 1861
Öl auf Leinwand, 81 x 65 cm
Fantin-Latour 167
Wenn man sich daran erinnert, dass Pissarro 1830, Manet 1832, Degas 1834, Cézanne und Sisley 1839 zur Welt kamen, so gehört der 1836 in Grenoble geborene Henri Fantin-Latour ganz zu dieser Generation. Er gehört auch zu ihr, weil er an ihren Zusammenkünften im Café Guerbois teilnahm, wenn er auch mehr Zuhörer als aktiver Diskutierer war. Er fand sich mit ihnen im Salon des Refusés von 1863 wieder, er bewunderte Manet, den er 1867 unübertrefflich als selbstbewussten, eleganten Großbürger malte und um den sich Renoir, Monet und Bazille in seinem Bilde "L’Atelier aux Batignolles" von 1870 mit anderen Verehrern versammelten. Doch stellte er nie mit seinen Impressionistenfreunden aus. Empfänglich und begabt für Freundschaft, die er sogar einem so extravaganten Malerfreund wie Whistler hielt, zog er sich am liebsten in seine eigene, gesicherte Welt zurück. Von den dreiundzwanzig Selbstbildnissen, die Madame Fantin-Latour im Œuvreverzeichnis aufführt, sind zweiundzwanzig ganz zu Beginn der Karriere in den 1850er und 1860er Jahren gemalt. Unser Bild, 1861 entstanden, zeigt den fünfundzwanzigjährigen Künstler, die Palette in der Rechten, den Pinsel in der Linken haltend, wie es das Spiegelbild ergibt, das Gesicht in scharfer Beleuchtung von links auf dem dunklen Mahagonirot des Hintergrundes aufleuchtend. Es ist der Maler, der seine Schulung vor allem in ungezählten Kopien der alten Meister und besonders der Italiener des Louvre erfahren hatte und in dessen jugendlich stolzem Pathos seine Vorliebe für Musik zu ahnen ist. Das Bild wurde 1861 mit zwei anderen Bildern des Künstlers im Salon ausgestellt, nachdem er 1859 bei seinem ersten Versuch, im Salon auszustellen, von der Jury abgewiesen worden war.