Edouard Manet
(Paris, 1832-1883, Paris)
Im Garten der Villa Bellevue, 1880
Öl auf Leinwand, 91 x 70 cm
Signiert unten rechts: Manet
Rouart/Wildenstein 347
Es darf als Erfolg von Emil Bührle gewertet werden, dass in seiner Sammlung auch Edouard Manet mit den verschiedensten Aspekten seines reichen Schaffens vertreten ist. Manets Werk verbindet die traditionelle Figurenmalerei im Atelier mit neuen, impressionistischen Tendenzen, und der Künstler galt für viele schon um 1900 als einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit. Entsprechend früh gelangten seine Bilder in Museen in ganz Europa und in den USA, und dem Kunstmarkt verblieben immer weniger wichtige Werke. Eines davon ist dieser Blick in den Garten einer Villa bei Paris, wo Manet die Sommermonate verbrachte. Drei Jahre vor dem Tod des Künstlers entstanden, zeigt es die Meisterschaft, mit der sich Manet die Technik der Pleinair-Malerei zu eigen gemacht hatte – nicht zuletzt in intensiver Auseinandersetzung mit dem Schaffen seines jüngeren Freundes Claude Monet. In reinster impressionistischer Manier geht die Darstellung von Haus, Blattwerk und Figur in einem flimmernden Nebeneinander flüchtiger Pinselstriche auf, in dem alles zu reiner Farbe wird. Dunkle Schatten sind nur noch in reinen Blautönen möglich, wenn sie nicht mit Kunstkniffen überhaupt überflüssig gemacht werden. So strahlt die eigentlich unter einem Dachvorsprung liegende Hauswand rechts in einem Licht, dessen Quelle nicht das direkte Sonnenlicht von oben sein kann, sondern nur ein gespiegeltes Licht, das – vielleicht von einem unsichtbaren Teich reflektiert – die Wand von unten erhellt. Man kann angesichts der Farbenpracht, die von dem Bild ausgeht, die Gefühlslage des Sammlers Eduard Arnhold nachvollziehen, der das Bild 1904 gekauft hatte. Eigentlich beabsichtigte Arnhold, das Bild der Nationalgalerie in Berlin zu schenken, doch zog er sein Schenkungsversprechen zurück, da er sich von dem Bild nicht mehr trennen konnte.