Edouard Manet
(Paris, 1832-1883, Paris)
Der Selbstmörder, um 1877
Öl auf Leinwand, 38 x 46 cm
Signiert unten rechts: Manet
Rouart/Wildenstein 258
Manet hat es seinem Publikum nicht leicht gemacht, universell, wie er war, konfrontierte er es ständig mit Neuem, Unerwartetem und stiess damit auf Ablehnung. Manet verschloss sich auch nicht den aktuellsten Ereignissen und schockierte durch eine Distanzlosigkeit, die man in der Malerei am wenigsten gewohnt war. Die kleine Skizze des "Selbstmörders" mag durch eine Nachricht in der Tageszeitung angeregt worden sein; für den Grossstädter und Gegenwartsmenschen Manet gab es jedenfalls keinen Grund, ein solches Tagesereignis nicht zu malen. Im Gegenteil, es forderte zu neuen Gestaltungen heraus, hier zu der gewagten Verkürzung des nach dem tödlichen Schuss auf das Bett hingesunkenen Selbstmörders, der in der Rechten noch die Pistole hält. Des Rockes entledigt, deuten das weiße Hemd mit der schwarzen Schleife und die Lackschuhe des Toten darauf hin, dass er die letzte Nacht in einer Gesellschaft verbrachte; hat er sein Geld verspielt? Das kühle Morgenlicht erhellt nur die bitteren Folgen dieser Nacht. Im Grunde treibt Manet mit diesem wohl Ende der siebziger Jahre entstandenen Bild ein formales Problem frontaler Verkürzung auf die Spitze, mit dem er schon in den sechziger Jahren in seinem "Christus mit Engeln" schockiert hatte. Am 15. Mai 1881 erzielte das Bild auf einer Auktion zugunsten des Musikers Cabaner im Hotel Drouot, wofür es Manet zur Verfügung gestellt hatte, 65 frs.