Jean-Honoré Fragonard (?)
(Grasse, 1732-1806, Paris)
Porträt des Malers Hubert Robert
Öl auf Papier auf Leinwand, 42.5 x 34 cm

Für die Identifizierung des lesenden Mannes mit dem Gefährten von Fragonards erstem römischem Aufenthalt, dem Maler Hubert Robert (1733-1808), bietet ein 1788 von Elisabeth-Louise Vigée-Lebrun gemaltes Halbfigurenbildnis (Louvre) Anhaltspunkte. Die vielbeschäftige Porträtistin des Ancien Régime gibt Robert physiognomisch getreuer wieder als Fragonard, dessen freier Farbauftrag in kräftigen Pinselhieben die Gesichtszüge verwischt. Auf beiden Bildern trägt Robert sein Hauskleid: brauner Tuchrock, helles Unterhemd und weisses, nachlässig gebundenes Halstuch – in Habitus und Allüre ein Repräsentant der Geniezeit. Unter einem von links einfallenden Licht treten die Farben der rechten Bildhälfte stärker hervor, mit Lasuren in Grün, Terra di Siena und Ocker. Die linke, stark beschattete Körperhälfte ist farblich zurückhaltender behandelt, die linke Hand nur skizzenhaft angelegt. Unter wirrem, braun-aschblondem Haarschopf ein farblich differenziert behandelter Kopf: rosiges Inkarnat mit Lichtpartien in ockerfarbenen und roten Lasuren. Farbauftrag und das Alter des Dargestellten, eines ungefähr vierzigjährigen Mannes, weisen das Bildnis in den Beginn der siebziger Jahre. Es steht in stilistischer und farblicher Hinsicht dem "Bildnis des Abbé de Saint-Non" nahe, wahrscheinlich ist es kurz vor der zweiten Italienreise 1773/74 entstanden. Da Fragonard und Robert von ihrer Studienzeit an der Académie de France in Rom, 1756-1761, durch gemeinsame antiquarische Interessen und administrative Tätigkeit im Louvre bis an ihr Lebensende freundschaftlich verbunden blieben, kann das Porträt auch nach den gemeinsamen Akademiejahren entstanden sein. Fragonard hat den Freund verschiedentlich dargestellt, als jungen Mann mit modischem Spitzenjabot und Zopf (Washington, Nat. Gallery of Art, S. Kress Foundation) sowie in Zeichnungen, die einen Mann des gleichen gedrungenen Gesichtstypus wiedergeben.