Edouard Manet
(Paris, 1832-1883, Paris)
Oloron-Sainte-Marie, 1871
Öl auf Leinwand, 42.5 x 62.5 cm
Signiert (& datiert?) unten rechts: Manet (71 ?)
Rouart/Wildenstein 163
Im September 1870 hatte Manet seine Familie, seine Mutter, seine Frau und den gemeinsamen Sohn vor den Kriegswirren in Oloron-Sainte-Marie in den französischen Pyrenäen in Sicherheit gebracht, während er selbst als Leutnant bei der Artillerie Kriegsdienst tat. Nach Ende des Krieges verliess er am 12. Februar 1871 Paris, um seine Familie wiederzusehen. Er verbrachte in Oloron-Sainte-Marie etwa eine Woche. Hier entstanden nur zwei Bilder, eine Landschaftsskizze und das Bild der Sammlung Bührle: Léon Leenhoff, der neunzehnjährige Sohn Manets, beugt sich über die Brüstung einer Galerie im oberen Stockwerk des Hauses der Familie Lailhacar, welche die Familie Manet aufgenommen hatte. Das für uns heute Faszinierende, damals wohl eher Schockierende, ist die kühle Härte der Galerie im Vordergrund mit ihrer grauen Wandung, ihren hellroten Pfosten und ihrer betonten Perspektive im Gegensatz zu dem malerischen Dächergewirr und der hügeligen Vorfrühlingslandschaft des Draussen, zu dem nur die silhouettierte Gestalt an der Brüstung überleitet.