Pierre Puvis de Chavannes
(Lyon, 1824-1898, Paris)
Der verlorene Sohn, 1879
Öl auf Holz, 130 x 96 cm
Signiert & datiert unten links: P. Puvis de Chavannes 1879

Die Bilder von "Krieg" und "Frieden" hatten Chavannes den Weg seiner Berufung als Gestalter grosser Wanddekorationen geöffnet, der ihn von Amiens über Marseille bis zu den grossen Aufgaben in der Sorbonne, im Hôtel de Ville und im Pantheon in der französischen Hauptstadt führte. Zwischen diesen, den ganzen Menschen fordernden Aufgaben des "animer les murailles" stehen die Staffeleibilder wie ein Ausruhen, ein kurzes Aufatmen. Chavannes hat seine Staffelei nie in der Landschaft aufgestellt, wie es die Impressionisten taten, aber er hat als leidenschaftlicher Fussgänger die Augenerlebnisse in sich aufgespeichert. Von seinem Biographen Vachon auf den "Verlorenen Sohn" angesprochen, meinte er lachend, er habe eigentlich nur Schweine malen wollen, für die er auf dem Lande 1878 Studien gemacht hatte. Er sprach nicht von der reuigen Einkehr des armen Sünders, die so verhalten mit den auf der Brust gekreuzten Händen des an den Rand des Lebens Gedrängten zum Ausdruck gebracht wird, denn er umging als Mensch gern die grossen Worte – wie als Maler die grossen Gesten. Und doch ist der elegische Ton nicht zu überhören, zumal er in dem zwei Jahre später entstandenen "Armen Fischer" des Louvre sein gleichgestimmtes Echo findet. Der Verlassenheit des Menschen entspricht das Silbergrau der absterbenden Natur, die Erinnerungen an den von Chavannes verehrten Corot wachruft und in ihrem rhythmisch grossflächigen Aufbau den Wandmaler nicht verleugnet.