Pierre Puvis de Chavannes
(Lyon, 1824-1898, Paris)
Concordia, um 1861
Öl auf Leinwand, 76 x 95 cm
Bezeichnet & signiert unten links: à Madame E. Gautier son ami P. Puvis de Chavannes

Die flüchtigen und kurzfristigen Lehren, die Puvis de Chavannes von Henri Scheffer, Eugène Delacroix und Thomas Couture erhielt, haben seine Entwicklung kaum bestimmt. Er hat ebensowenig Beziehungen zu dem fünf Jahre älteren Courbet und den Naturalisten wie zu dem sechs Jahre jüngeren Pissarro und den Impressionisten, wenn er deren kompromisslosen Kampf um ihre Ideale auch schätzte. Puvis de Chavannes’ Kunst führt zu den Zeitgenossen hin wie eine Brücke, deren Pfeiler in der Freundschaft zu Chassériau und in der Bewunderung durch Seurat und Gauguin ruhen. Der Ingrismus in der Abwandlung Chassériaus bringt Puvis de Chavannes im Salon von 1861 mit den Bildern von "Krieg" und "Frieden" nach neunjähriger Ablehnung den ersten Erfolg. Der "Friede" wird vom Staat angekauft und und als Wandbild im Treppenhaus des Museums von Amiens installiert. "Concordia" ist der erste Entwurf für den "Frieden": die Krieger haben ihre Rüstungen und Waffen abgelegt, sie lagern in elyseischer Landschaft unter blühenden Lorbeerbäumen, erquickt von der friedlichen Bevölkerung mit Früchten und Milch. Das strahlende Weiss im Gewand der weiblichen Rückenfigur trumphiert über das Rot der Kriegermäntel vor der tiefgrünen Landschaft. Im "Frieden" ist an die Stelle der gewandeten Frau ein Rückenakt getreten, der alles Licht auf sich versammelt. Théophile Gautier, Chassériaus Freund, hat das Auftreten Chavannes’ mit diesem Bild im Salon von 1861 enthusiastisch gefeiert, mit dem er schlagartig aus dem Schatten heraustrete und ein Licht über ihm leuchte, das ihn nicht mehr verlassen werde. Das ist wohl auch der Grund, dass das Bild "Concordia" eine Widmung an Madame Gautier trägt.