Gustave Courbet
(Ornans, 1819-1877, La-Tour-de-Peilz)
Winterlandschaft, um 1866
Öl auf Leinwand, 73 x 92 cm
Signiert unten links: G. Courbet
Fernier 563
Wenn Courbet mit seinem Jugendfreund Urbain Cuenot in den Wäldern von Ornans, wohin er immer wieder von Paris zurückkehrt, herumschweift, findet der Maler ebensoviel Beute wie der Jäger. Courbet ist ein scharfer und genauer Beobachter des Waldes und seines Wildes. Wie er als leidenschaftlicher Schwimmer dem Wasser und dem Meer verbunden ist, so als Jäger dem Walde, und damit ist auch der Maler den Dingen näher. Schranken der Jahreszeiten gibt es für ihn nicht. Im Winter ist er ganz allein mit der schweigenden Majestät der Landschaft, zu deren Interpret er sich macht. In zahlreichen Winterlandschaften, in denen er an Jacob Ruisdael und die Schule von Fontainebleau anknüpft, bereitet Courbet mit seinen blauen Schatten der sonnigen Schneelandschaften die Winterbilder eines Monet, Pissarro und Sisley vor, auch darin Vorbild und Wegweiser für die nächste Künstlergeneration. Sein Werkzeug, gerade bei den Winterlandschaften, ist häufig der Spachtel, mit dem er dem Schmelz der Schneedecke fast greifbaren Reiz gibt.
Die Staffage der Rehe in diesen Landschaften hat Meier-Graefe (Courbet, München 1921, S. 52) als Spielerei gescholten. Tatsächlich fügen sie sich dem robust großzügigen Malwerk der Landschaft in ihrer zeichnerischen Silhouettierung nicht ganz ein, das idyllisch Genrehafte steht im Gegensatz zur abweisenden Größe der Natur.