Gustave Courbet
(Ornans, 1819-1877, La-Tour-de-Peilz)
Porträt des Bildhauers Leboeuf, 1863
Öl auf Leinwand, 65 x 50 cm
Signiert & datiert unten links: 1863 Gustave Courbet
Fernier 355
Das Bild des Porträtisten Courbet ist zwiespältig. Offizielle Porträtaufträge, die er in den 1850er und 1860er Jahren, der Zeit seiner größten künstlerischen und gesellschaftlichen Erfolge, annahm, widersprechen im Grunde seiner ungebundenen Natur. Einengender Zwang wird fühlbar, zumal wenn keine menschliehen Beziehungen zu den Dargestellten bestanden. Dazu stehen Porträtaufträge von Kunsthändlern und Sammlern, mit denen ihn gleiche Interessen verbanden, schon in deutlichem Gegensatz. Am lebensvollsten sind die Bildnisse seiner gleichaltrigen Freunde aus der Heimat, mit denen er die Freuden der Jagd, der Trinkgelage und amourösen Abenteuer teilte. Wenn der Vierundvierzigjährige den nur wenige Jahre jüngeren Bildhauer und Landsmann Louis-Joseph Lebœuf (geboren 1823 in Lons-le-Saunier, gestorben 1867 in Paris) malt, ist er ihm ganz nahe, er findet sich in ihm wieder in seiner gesunden Vitalität und kann auf alles Beiwerk verzichten. Nur das Malerauge sättigt sich an dem leuchtenden Rot der Jacke und dem vom Schwarz des Kopf- und Barthaares umrahmten Inkarnat vor dem lichten Braun des Hintergrundes. Der Bildhauer Lebœuf hat 1861 eine Statuette des naturburschenhaften Courbet als Wanderer geschaffen, die heute im Courbet-Museum von Ornans aufbewahrt wird.