Honoré Daumier
(Marseille, 1808-1879, Valmondois)
Raucher und Absinthtrinker, um 1856/60
Öl auf Holz, 27 x 34.5 cm
Maison, I-105
Die Anklage Daumiers, die in dem Bild der beiden Advokaten nicht zu überhören war, ist bei "Raucher und Absinthtrinker" völlig verschwunden. Daumier, der selbst in den Cafés der Ile Saint-Louis im Alkohol Entspannung suchte und dem aus dem Rauch seiner Pfeife wirbelnde Bilder seiner Phantasie aufstiegen, hätte hier auf der Bank der Angeklagten Platz nehmen müssen. An die Stelle des Anekdotischen ist das Alltägliche getreten, ein einfacher Zustand, den der Maler schildert. Der Trinker, den das Leben enttäuscht hat, lehnt sich gelöst zurück und hängt seinen Gedanken nach, er ist erhaben – auch formal im monumental frontalen Überragen seiner Figur – über die geduckte, turbulente Geschäftigkeit des seine Pfeife anzündenden Rauchers; zwei ganz verschiedene Temperamente, denen doch durch die horizontale Parallelität von dem Tisch, hinter dem sie sitzen, und dem oberen Rand des Rückpolsters dieselben Grenzen gezogen sind. Daumiers Pinsel schwelgt im Ebenholzschwarz der Anzüge vor dem tiefen Rot der Lehne, begrenzt von den Grautönen in Tisch und Wand.