François Boucher
(Paris, 1703-1770, Paris)
Rast am Brunnen, 1765
Öl auf Leinwand, 35.5 x 44 cm
Signiert & datiert unten links: F. Boucher 1765
Ananoff 616
Die Darstellung gehört zu einem Zyklus von vier Pastoralen. Thematisch leiten sich die Schäferidyllen Bouchers von realistisch-derben Formulierungen des gleichen Sujets in der niederländischen Malerei ab; bei Boucher, dem Premier Peintre du Roi, erhalten sie eine galante, höfische Note. Auf den Inhalt der Schäferidylle spielen die zwei schlafenden Putti auf dem Brunnenrelief an. Das Bild wurde von Randon de Boisset, einem Verehrer Bouchers, erworben; gleich dem Maler schätzte er die niederländische Malerei und unternahm gemeinsam mit diesem eine Reise nach Flandern. Im Unterschied zu einer breiten Käuferschicht, die Boucher mit seinen pastoralen Darstellungen zu befriedigen vermochte, bemängelte die zeitgenössische Kritik den fehlenden Realitätsbezug dieser Bilder. Denis Diderot fragte: "… où a-t-on vu des bergers vêtus avec cette élégance et ce luxe? Quel sujet a jamais rassemblé dans un même endroit … loin de toute habitation, des femmes, des hommes, des enfants, des bœufs, des vaches, des moutons, des chiens, des bottes de paille, de l'eau … des chaudrons?" (Œuvres complètes, Bd. X, Salon de 1761). In der Pastorale von 1765 hat Boucher die oben genannten "Versatzstücke" reduziert: zwei galant gekleidete Schäferinnen plaudern zwischen Ziege, Esel und Schafen am Brunnen. Die Komposition wird akzentuiert durch die Frische der Farben der Inkarnate, wie die bunten Kleider der Frauen mit weißen Besätzen an Ärmeln und Ausschnitt. Das Bild weist nur wenige Retouchen, stellenweise im Himmel und in den Inkarnaten auf; über seiner ganzen Oberfläche hat sich ein Schwundcraquelée gebildet.