Gotische Altartafeln
Kreuzigung Christi, Östliches Süddeutschland, um 1340
Tempera auf Holz, 33 x 24 cm

Die etwa um 1340 geschaffene Tafel mit einer Kreuzigung Christ bildete ursprünglich ein Diptychon mit einer in der Gemäldegalerie Berlin aufbewahrten Geburt Christi, wie übereinstimmende Scharnierspuren beweisen. Der Flügel der Sammlung Bührle präsentiert die Kreuzigung in Form des sogenannten volkreichen Kalvarienbergs. Links auf dem Bild, also zur Rechten Christi, haben sich die Trauernden versammelt: Seine Mutter Maria, die in ihrem Schmerz niederzusinken droht, wird von zwei anderen Marien gestützt; Maria Magdalena hat verzweifelt die Arme empor gerissen, während der Lieblingsjünger Johannes zum Gesicht des Toten aufblickt. Sehr aufwändig ist der Hintergrund der Tafel gestaltet; auf einem polierten Goldgrund sind dichte Weinranken – ein eucharistisches Motiv - zu sehen. Es ergab sich der kostbare Effekt eines goldenen Musters auf einem abweichend getönten goldenen Grund. Der Maler des Diptychon hat in einem für das damalige Mitteleuropa ungewöhnlichen Mass Motive aus der italienischen Kunst verarbeitet. Aus Italien stammen etwa die antikisierende Rüstung des Guten Hauptmanns und die in starker Verkürzung gezeigten Engel, ebenso die auffällige Gestalt des abgewandten Stephaton oder die Gruppe der um Maria bemühten heiligen Frauen. Es gibt keinerlei Hinweise auf Herkunft und Auftraggeber des kostbaren, anspruchsvollen Stücks. Eine präzisere Lokalisierung als Grossraum Bayern, Salzburg, Österreich lässt sich für das Werk daher gegenwärtig nicht gewinnen, doch verraten verschiedene Teilkopien, dass die Zürcher Kreuzigungstafel ein hochgeschätztes, als vorbildlich empfundenes Werk gewesen sein muss.