Théodore Chassériau
(Santo Domingo, 1819-1856, Paris)
Rückführung von Verwundeten, 1853
Öl auf Holz, 37.5 x 51.5 cm
Signiert & datiert unten rechts: Th. Chassériau 1853
Sandoz 226
Théodore Chassériau, 1819 in Santo Domingo auf den Grossen Antillen geboren, beginnt schon mit elf Jahren seine künstlerische Laufbahn im Atelier Ingres’, der ihm voraussagt, der Napoleon der Malerei zu werden. Als Ingres 1834 nach Rom geht, kann sich Chassériau wegen seiner Jugend nicht um den Rompreis bewerben, und sein Aufenthalt in Rom 1840, das trotz allen Anregungen wie ein Grabmal auf ihn wirkt, kann das alte Verhältnis zu seinem Lehrer nicht wiederherstellen, der ihm auch nur noch wie eine Reproduktion der Kunst der Vergangenheit erscheint. Damit ist die Hinwendung zu Delacroix, den er bewundert, vorbereitet. Ein zweimonatiger Aufenthalt 1846 in Algier - vierzehn Jahre nach Delacroix’ Aufenthalt in Algier und Marokko – bringt den "Orientalismus", für den er durch sein kreolisches Blut prädestiniert war, bei ihm zum Durchbruch.
Théophile Gautier, der seine Entwicklung freundschaftlich begleitende Kritiker, hat diesen Wandel zu seiner "seconde manière" mit anderen Kritikern anfangs bedauert: "Nous déplorons seulement que l’artiste, qui pouvait vivre magnifiquement chez lui dans son palais de marbre aux colonnes ioniennes, aille sonner de l’oliphant devant le castel moyenâgeux d’Eugène Delacroix" (Kritik des Salons, von 1852). Aber die Synthese des Zeichnerischen aus der Schule Ingres’ und des Malerischen von Delacroix bestimmt nach dem algerischen Aufenthalt das letzte Jahrzehnt des früh Verstorbenen. Aus der Erinnerung gemalte Bilder, unterstützt von zahlreichen Studien und genährt aus Erzählungen französischer Offiziere aus den Kämpfen der Eroberung Algiers (1830), liefern die Themen. 1850 stellt Chassériau ein Bild aus, das die Bergung der Toten durch Araber nach einem Kampf mit den Spahis zum Gegenstand hat (Fogg Art Museum, Cambridge, Mass.). Diese monumentale Komposition auf dem Schlachtfeld setzt das Bild der Sammlung Bührle, das drei Jahre später entstand, gleichsam im intimeren, menschlichen Bereich fort, indem es die tragische Rückkehr der geschlagenen Krieger in das Zeltlager schildert, die Bergung der Verwundeten und die Beweinung der Toten durch die Frauen. Auch die Kreatur leidet in den Pferden mit den Menschen, deren stolzem Freiheitsdrang nicht zuletzt der Künstler seine von Sympathie getragene, pastose und intensive Malerei leiht.