Eugène Delacroix
(Charenton-Saint-Maurice, 1798-1863, Paris)
Muley Abd-el-Rahman, 1862
Öl auf Leinwand, auf Holz, 69.5 x 57.5 cm
Signiert & datiert unten, links der Mitte: Eug. Delacroix 1862
Johnson 417
Die Sehnsucht des jungen Romantikers Delacroix nach dem Orient, der seine Phantasie beflügelte und ihm in den Atelierrequisiten eines Jules-Robert Auguste nur einen schwachen Abglanz einer fernen Welt geboten hatte, erfüllte sich für ihn, als er 1832 den Grafen Charles de Mornay in einer Mission Louis-Philippes nach Marokko begleiten durfte. Der Traum wurde zur hellen, farbigen Gegenwart, die aus ältesten mittelmeerischen Traditionen lebte und ihn überwältigte. In sieben Skizzenbüchern, von denen drei erhalten sind, wurden die sich überstürzenden Eindrücke mit erläuternden Notizen gesammelt, ein unerschöpfliches Reservoir lebendiger Erinnerungen für den Künstler bis zu seinem Tode.
Ziel und Höhepunkt der Reise war der Empfang der Delegation durch Muley Abd-el-Rahman, den Sultan von Marokko am 22. März 1832. Erst dreizehn Jahre später entstand dann das monumentale Gemälde, das den Sultan umgeben von seinen Würdenträgern und der Garde vor der Stadtmauer von Meknes zeigt und das Delacroix im Salon 1845 ausstellte (heute im Museum von Toulouse). 1845, 1856 und 1862 nahm der Künstler das Sujet in drei kleine Repliken wieder auf. Nur ein Jahr vor dem Tode Delacroix gemalt, zeugt das Bild der Sammlung Bührle davon, wie frisch die Erinnerungen noch immer im Künstler weiterleben. Auf braunem Grund steht das vielfach gestufte Weiss der Garden, von aufblitzendem Rot in Zaumzeug, Gewändern und Kappen durchwebt, ein Bild orientalischer Pracht und Würde, das über Traum und Wirklichkeit zu schöpferisch nachwirkender Erinnerung wurde.