Camille Pissarro
(St-Thomas, 1830-1903, Paris)
Die Wollkämmerin, 1875
Öl auf Leinwand, 56 x 47 cm
Signiert & datiert unten links: C. Pissarro 1875
Pissarro/Durand-Ruel 420
Dieses Bild einer Wollkämmerin atmet den Frieden der stillen Zuflucht, die Pissarro immer wieder bei seinem Malerfreund Lodovic Piette in Montfoucault im Département Mayenne zwischen der Normandie und der Bretagne fand, wenn er nicht mehr aus noch ein wusste. Das bedeutete für ihn und seine grosse Familie nicht nur Sorgenfreiheit und Erholung auf dem Hof Piettes, sondern die frischen Eindrücke des unverfälschten Landlebens dort belebten ihn, und die Zusammenarbeit mit seinem Freund tat ein übriges, ihn die Enttäuschungen des Lebens vergessen zu lassen. Dies hat sich auch auf die dort im Laufe der Jahre entstandenen Werke ausgewirkt, die, wahrscheinlich auf dem menschlichen Verhältnis zu Piette beruhend, von einer unproblematischen Frische sind; so auch bei diesem Bild von 1875, das in seinem saftigen Grün, pastos gemalt und gespachtelt, mit dem schaumigen Weiss der Wolle und dem Weiss der Haube einen heiteren Zweiklang bildet. 1874 hatte Pissarro aus Montfoucault an Théodore Duret, der als erster 1878 den Impressionisten ein Buch widmete, geschrieben: "Ich befasse mich mit Gestalten und Tieren. Mehrere Genrebilder entstanden; ich gehe nur zaghaft an dieses Gebiet der Kunst heran, das nach den früheren Arbeiten erstklassiger Künstler besondere Forderungen stellt. Es ist ein recht kühnes Unterfangen, ich fürchte, zu versagen".