David Teniers II
(Antwerpen, 1610-1690, Brüssel)
Die Dorfkirmes, 1646
Öl auf Leinwand auf Holz, 57 x 79 cm
Signiert unten links: David Teniers fecit; datiert auf der Fahne rechts: 1646

Die Szene ist der schattige Vorplatz eines Wirtshauses in einiger Entfernung vom Dorf links hinten. Ein Dudelsackbläser spielt unter dem Baum. Freilich sind nur fünf Dörfler zu einem Reigentanz aufgelegt. Die anderen widmen sich handfesteren Genüssen: Vorn rechts werden Brot und Schinken verzehrt; hinten rechts wird gekneipt; weitere Trinker und Raucher stehen umher. Links holen Männer und Frauen schon drei Opfer übermässigen Trinkens nach Hause. Beiseite schlagen zwei Männer ihr Wasser ab. Nichts Menschliches bleibt dieser kleinen Welt fremd. Ein lichter, sommerlicher Graubraunton durchzieht das Bild; die Kleider sind von gedeckter Buntheit. Flüssig und treffsicher ist die Malerei; treffsicher auch die humorige Charakterisierung verschiedener Typen. Links vorn bilden glasiertes irdenes Geschirr und ein Metallkessel ein blinkendes Stillleben. Der erste und letzte Versuch, die Werke Teniers’ zu zählen, ist 1831 gemacht worden. Seitdem scheint die Unmenge der Bilder, die seinen Namen mit und ohne Recht tragen, auch die fleissigsten Forscher abgeschreckt zu haben. Aber erst eine umfassende neue Bemühung um Teniers könnte den wirklichen Umfang seines Lebenswerkes, seinen Rang als Maler und seine Wirkung auf Mit- und Nachwelt ganz deutlich machen. Auch unser Bild lenkt auf weitere Zusammenhänge.