Pieter Jansz Saenredam
(Assendelft, 1597-1665, Haarlem)
Inneres von St. Bavo in Haarlem, 1636
Öl auf Holz, 43 x 37 cm
Signiert & datiert unten rechts: ...Saenredam fecit / 1636
Schwartz/Bok 46
Als die niederländischen Maler im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts Zug um Zug die Welt um sie her zum Feld ihrer Kunst machten, da fesselten ihre Aufmerksamkeit bald auch die Kirchen: die grössten Gebäude und Innenräume ihrer Zeit. Spezialisten entwickelten sich für die Gattung "Kirchenbild". Ein besonderer Verstand für Architektur und Perspektive gehörte zu den Voraussetzungen, doch am Ende zählte das malerische Ergebnis. Saenredam war der erste Maler, der die hallenden, kalvinistisch leergeräumten und gekalkten Kirchenschiffe der nördlichen Niederlande mit grösster sachlicher Treue und ästhetischer Empfänglichkeit zugleich wiedergab; der erste auch, der ihnen durch freie Wahl seines Standortes immer neue Anblicke abgewann. Er bereitete seine Gemälde mit peinlich genauen Zeichnungen vor. Auch zu diesem Bild gibt es eine an Ort und Stelle gemachte Skizze (in Den Haag) und eine gemessene Konstruktionszeichnung (in Berlin; sie trägt sogar das Datum 22. Dezember 1635 und den Hinweis, dass das Bild der Sammlung Bührle am 9. Mai 1636 fertig gewesen sei). Die Ansicht wird von verzwickten Durchblicken, einander kreuzenden Tiefenlinien, starken Licht- und Schattengegensätzen und Überschneidungen, mehr von vertikalen Formen als vom Raum selbst bestimmt. Seltsame Gegensätze zur dramatisch-spröden Architektur bildet die "Staffage": Im Vordergrund stärkt eine Familie sich aus einem Esskorb; rechts vor dem Pfeiler wirken die Schattenrisse zweier Bürger im Gespräch; und was tut wohl der Mann oben im Triforium des Querschiffes? Weisslich kühl ist der Gesamtton, dünn gleichsam das Licht. Die Rautenform am Pfeiler hinten ist ein Wappenschild; noch heute fallen diese Memorientafeln in den holländischen Kirchen auf.